Es war einmal in Iowa - bis
- Fz Me
- 17. Feb. 2020
- 4 Min. Lesezeit
Als politisch interessierter Mensch mach ich mir ja so manche Gedanken und natürlich überlege ich mir die Möglichkeiten die Geschehnisse auch zu verfolgen. So wars dann auch zum 4. Februar dieses Jahres. In der Nacht zuvor haben sich unsere amerikanischen Freunde in den ersten Vorwahlkampf gestürzt, besser gesagt, an diesem Tag wählten die Einwohner des Staates Iowa ihre jeweiligen Kandidaten. Interessant ist es ja deswegen, weil die Demokraten dort irgendeinen Mythos hinterher rennen, das der- oder diejenige, die es schafft zwischen Cedar Rapids und Sioux City die meisten Stimmen zu holen gute Chancen hat als Präsidentschaftskandidat anzutreten. Diesmal war es besonders spannend, denn es geht ja darum, wer die Möglichkeit hat, das blonde Prolltupet aus dem weißen Haus zu jagen. Oder zumindest dies versuchen kann. Klar ist meine Meinung europäisch geprägt und daher ist Herr Trump natürlich nicht annähernd das, was ich von einem Präsidenten der Vereinigten Staaten erwarte. Er gibt ja auch ein wahnsinnig gutes Bild ab so als Enemy No. 1. Ja, wirklich. Ich frage mich immer, was Gods own Country dem Eigentümer des Landes angetan haben muss, damit diese Mischung aus autokratischen Buisnesman und Kalter-Krieg Rhetoriker die Fäden ziehen darf. Naja, aus amerikanischer Sicht macht er sich ja gar nicht schlecht. Arbeitsplätze rauf, China was abgetrotzt, konsequentes Vorgehen gegen den Iran. Gut, aber ich bin kein US-Amerikaner sondern Europäer und daher fremdl ich schon gewaltig.
Das Abschweifen ist jetzt aber vorbei, zurück in den mittleren Westen. Vorne an den ersten Stellen stand einmal Joe Biden, der etwas in die Jahre gekommene Running Mate von Obama und - für den Standardamerikaner kurz nach Tornado, Hurrikan und Erdbeben die schlimmste Katastrophe - Bernie Sanders. Parteiloser Senator für den Staat Vermont und selbsternannter Sozialist. Todsünde. Auch hier mal kurz erwähnt, das ein Sozialist in den USA hierzulande eher ein Seeheimer Sozialdemokrat wäre, wenn überhaupt. Dazu sei noch geschrieben, auch der gute Bernie ist jetzt nicht mehr das, was unter jugendlich zu verstehen wäre, zählt er ja auch mit Baujahr 41 schon zur gereiften Fraktion auf der Welt.
Und weil der Mythos Iowa Caucus für die Demokraten so wichtig ist, spielten sich dort zahlreiche Auftritte der beiden Grandpas und noch den anderen Kandidaten ab. Und dann - was hab ich mich schon auf Nachrichten gefreut - gabs keine. Die Wahlstimmen konnten nicht richtig ausgewertet werden. Angeblich ist irgendeine App verreckt. Eine Demokratin deren Namen ich nicht bei der Hand hab meinte noch was von "Gehackt." Vielleicht waren es ja die Russen? Kann ich mir zwar nicht vorstellen, aber so was schwirrt schnell über die Verschwörungsseiten im Netz. Na gut, es ist auf alle Fälle was falsch gelaufen. ( Mittlerweile ist das Ergebnis bekannt aber noch nicht offiziell ) Super. Keine Diskussionsrunden in Phönix. Keine Politikwissenschaftler im Interview sondern warten auf Godot. Oder zumindest auf irgendeinen Trend. Also verging dieser Tag dann doch recht ereignislos, Am darauffolgenden Tag, Mittwoch den fünften, da dacht ich mir - schalts de mal auf Phönix, ob es schon was neues gibt, aber nein, die Republikaner machten sich lustig über die Demokraten, das die es nicht schaffen bla bla blupp. Nebenbei lief dann irgendwann die Übertragung zur Wahl des Ministerpräsidenten in Thüringen. Die Ausgangslage war aufgrund des Wahlergebnis theoretisch offen, aber im dritten Wahlgang war eine einfache Mehrheit möglich. So - und dann im dritten Wahlgang kam es dann zu dem Ereignis, das für längere Zeit irgendwelche Auszählfehler in der nördlichen Prärie zwischen Sporthallen und Maisfeldern uninteressant erscheinen lies. Denn es wurde im dritten Wahlgang nicht der Herr Ramelow mit einfacher Mehrheit gewählt sondern Herr Kemmerich von der FDP. Mit Hilfe der Stimmen der AfD. Mit Hilfe der Stimmen der AfD in Thüringen, wo Herr Höcke die Macht hat. Nicht irgendein kleiner AfD-Fraktionsbeschluss im Kreistag von Pusemuckl oder eine Zustimmung von irgendeinen Landesverband in einem Landesparlament - nein - vom Rechten Rand der rechten Partei der rechteste Ausleger. Hinweg gefegt an Sanders, Biden und Co. Die politische Lage wurde auf einmal von einem kleinen Bundesland bestimmt. Das Chaos was dann kam war unbeschreiblich. ( der neutrale Beobachter in mir freute sich schlichtweg über diese Diskussion ) Wut und Gezeter in Erfurt und natürlich auch Berlin. War es Absicht? War es ein Versehen? Warum wurde die Wahl angenommen?
Ich stelle mal die Vermutung in den Raum und tippe darauf, das die FDP zusammen mit Union es mal drauf ankommen lassen wollte. Ist ja Thüringen, weit weit weg. Wenn das so war, dann liebe FDP und liebe Union - der Schuß ist nach hinten losgegangen. Da hilft dann auch nicht das jämmerliche Lamentieren, die Linke wäre ja auch Extrem. Hufeisentheorie schimpft sich das neuerdings. Und was für alte Kamellen durch den digitalen Äther gejagt wurden. Stalinisten, Kommunisten - alles schlimm, deswegen kann ja niemand den wählen.
Aber mit den rechtsextremen AfDlern wird zusammengestimmt. Tolle Kanne. Brennt euch in der Union der Hut? Habt ihr mal im Schrank nachgesehen? Noch alle Trinkgefäße da? Und dann dieses Gesülze der bürgerlichen Mitte. Kann dir auch kein Arsch erklären, was das wieder ist. Nicht mal der Henkel. Naja, zumindest ist die Union - entschuldige werte CSU ihr seid mal nicht dran schuld - jetzt in einer Führungskrise, denn AKK hat hingeschmissen.
Es bleibt spannend.
Nachsatz:
Mittlerweile wurden auch in New Hampshire die Vorwahlen durchgeführt. Biden ist wohl raus aus der Nummer. Interessiert halt nur wirklich niemanden mehr.
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