Zum Umgang mit Verschwörungstheorien - ein paar Gedanken
- Fz Me
- 6. Mai 2020
- 2 Min. Lesezeit
So, da bin ich mal wieder. Das Dauerthema Corona hat sich in den sozialen Medien einen Ableger geleistet - eine Verschwörungstheorie ( bzw. mehrere, die sich auch gegeneinander widersprechen ). Daher möchte ich ein wenig versuchen das Thema aus einer gewissen Metasicht mal zu durchleuchten.
Ab wann spreche ich von einer Verschwörungstheorie? Ab den Zeitpunkt, da es mir persönlich zu emotional und zu wenig rational angegangen wird. Investigatives Denken finde ich wichtig, genau wie eben kritisches Hinterfragen von Axiomen und Dogmen.
Nur wenn das ganze Denken darauf abzieht, das irgendwer ( ??? ) sich zu schaffen machen muss, weil die Situationen gerade so sind, wie sie sind, dann geht bei mir die VT-Alarmglocke an.
Die erste große Verschwörungstheorie die ich selbst mitgemacht habe waren die Ursachen zum Terroranschlag vom 11. September 2001.
Meine Götter, was wurde da geschwurbelt. Inside-Job bis gar nicht passiert. Schuld waren dann meistens die Ölhochfinanzler in den USA, die Juden, das Establishment, die NWO oder am besten alles zusammen. Ihr glaubt nicht was ich in den, mittlerweile fast, 20 Jahren zu diesem Thema schon gelesen habe.
Aber dann wars erstmal ruhig an der großen VT Front im Netz. Klar, diejenigen, die wie ich oft in Foren unterwegs gewesen sind, kamen immer mal wieder alte ( JFK, Mondlandung ) oder neuere ( Reichsbürger ) "Theorien" vor die Linse, aber den wirklich großen Neustart in den sozialen Medien hatte die Verbindung der Breitenwirkung Facebook mit dem Thema der Flüchtlingssituation 2015. Nun konnte sich Lieserl Müller endlich auch an einem Thema anhängen, das ihr persönlich wichtig war und schwupps, gefangen in der VT-Blase.
Und jetzt ist es halt Corona bzw. genauer gesagt, die Versuche der Regierung einer möglichen Pandemie mit rigorosen Maßnahmen einzudämmen.
Aufgefallen ist mir immer, das es für die VTler leichter ist, irgendeine Schuld woanders zu suchen. Die menschliche typische Art der Verdrängung. Wenn ich am nächsten Tag einen Zahnarzttermin hab, dann schau ich auch, das ich mich ablenke. Nur - um es ganz verkürzt dazustellen - geb ich nicht irgendjemand die Schuld an meinem Termin. Was ich mir ein wenig zur Aufgabe gemacht habe ist, das ich diese Denkblasen gerne durchbrechen möchte. Es sind ja nicht alles Spinner, die einer VT anhängen. Viele haben einfach nicht gelernt das die eigene Wahrnehmung eben nur das ist, was sie ist. Es wird nicht wissenschaftlich, ergebnisoffen gedacht oder die Belege offen gewertet - nein, nur das was der eigenen VT entspricht wird wahrgenommen ( oder angenommen ). So ist mein Umgang grundsätzlich seriös, neutral und wissenschaftlich - außer, denn auch ich bin nie frei von Fehlern, es ist in einem Rahmen, der nichts anderes mehr bieten kann - versuche also mein Diskussionspartner zum Nachdenken, zum Hinterfragen anzuregen. Und wenn ich nur einen von hundert Menschen erreichen kann, der ein bisserl darüber nachdenken wird, dann ist es mir die Mühe wert.
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